Eigene Betrachtungen

Wir beiden leben in der westlichen Welt. Sind im 20. Jahrhundert geboren und mehr oder weniger mühelos ins 21. geschlittert. Das bedeutet, wir wurden durch die westliche Geschichte, Philosophie und die Naturwissenschaften geprägt. Nicht zu vergessen unsere Religion: das Christentum (auch wenn wir uns davon völlig lossagen: es steckt in unseren Knochen).
Diese plus unsere äusserst unvollkommenen Sinne formen unser Weltbild.

Die klassischen Naturwissenschaften (insbesondere die Physik) sagen: es gibt keinen Zufall. Jeder Vorgang kann beschrieben, erklärt und theoretisch vorausberechnet werden.
Christen wissen: es gibt keinen Zufall. Vater Gott hat alles geschöpft, es gibt nichts Mystisches; alles Unerklärliche wird mit Gott erklärt.

Aber (wir LIEBEN dieses ABER!): Unser Weltbild hinkt 100 Jahre hinterher. Die klassische Physik/Mathematik ist völlig überholt. Die Welt ist grösser geworden. Seit vielen Jahren wissen wir schon: Materie und Energie sind ineinander umwandelbar. Der Beobachter beeinflusst das Beobachtete. Zu nah dran wird's unscharf (Heisenberg: der Ort und die Geschwindigkeit eines Teichens können nicht gleichzeitig bestimmt werden). Wir können nur einen kleinen Teilbereich hören, sehen, spüren, schmecken. Hörst du Hundepfeifen? Riechst du Radioaktivität? Spürst du, wenn jemand hinter dir dich anstarrt....... Unser Weltbild wird grösser.

Zur Zeit faszinieren mich (Dagie) zwei Phänomene ganz besonders:

1. Die schlauen Hunde von New York
(nach Arthur Koestler) Laut Statistik der Gesundheitsbehörden wurden im Jahre 1955 täglich durchschnittlich 75,3 Menschen von einem Hund gebissen (so doll, dass es gemeldet wurde). Im nächsten Jahr waren es 73,6, danach 73,5, dann 74,5.... Jeder Einzelbiss ist ein Einzelphänomen und hat seine Geschichte - aber woher wissen die New Yorker Hunde "ah, schon 76 gebissen, lass uns aufhören!"????

2. Keiner will die 13
In der Lottogeschichte wurde die Zahl 13 am wenigsten von allen gezogen. Will sie niemand haben? Kann das gesamte menschliche Unterbewusstsein materielle Ziehungsabläufe beeinflussen????

Was denken wir persönlich über den Zufall? Voilà:
Es gibt ihn. Er ist kreativ. Er ist irgendwie schön. Er kommt gerne in "geladenen" Momenten. Er klumpt gerne.

Hier folgen geliebte Zitate:

„Auf der einen Seite stehen die Unmittelbarkeit und die Würze useres Lebens, stehen Poesie, Musik, Kunst und Mystik, auf der anderen Seite begegnen wir den objektiven Entdeckungen und Erklärungen der Wissenschaft.
Auf der einen Seite finden wir Überraschungen, Schönheit und Erstaunen, auf der anderen ist da die Möglichkeit, daß unser Bewußtsein nur eine Begleiterscheinung spezifischer, komplexer elektrochemischer Reaktionen ist, daß das Leben ein Ergebnis zufälliger Molekularprozesse und das Universum ein Zufall ist.
Zwischen den objektiven und den subjektiven Wegen hin zu der Frage, was die Welt und was unsere Rolle in ihr sei, liegt eine Kluft, die, so scheint es, nicht zu überbrücken ist. Auf den ersten Blick scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Theorien der Wissenschaft mit dem Geschmack subjektiver Erfahrungen zu würzen oder dichterische Einsichten in die Exaktheit wissenschaftlicher Objektivität zu übertragen. Diese beiden Welten, so hat es den Anschein, liegen einfach zu weit voneinander entfernt.”
(aus „Synchronizität - Die verborgene Ordnung”, F. David Peat)
Diese beiden Welten nähern sich aber immer mehr an!
...
"Wir sind stets mehr unsere Zufälle – unsere Schicksalszufälle – als unsere Leistungen. Darum müssen wir das Zufällige leiden können; denn Leben mit dem Zufälligen: das ist keine mißlungene Absolutheit, sondern unsere geschichtliche Normalität.
...
Es gibt manche Formen der Einwilligung in das Zufällige. Die "Grenzreaktionen" Lachen und Weinen gehören ebenso dazu wie jene Grenzreaktion, die die Vernunft ist: der Verzicht auf die Anstrengung, dumm zu bleiben.“ (hihi) (aus: Odo Marquart, Die Apologie des Zufälligen)

Wir unterscheiden zwei Zufallsarten:

1. Man weiss nicht, wann er passiert

Häufungen: ein Thema findet seine Wiederholung auf von einander unabhängigen Wegen.
C.G. Jung prägte dafür den Begriff „Synchronizität”.

(Synchronizität: durch einen gemeinsamen Sinn verbundene gleichzeitige Vorgänge in Natur und Psyche, = sinnvolle Koinzidenz). Der Zufall klumpt gerne.

Serie: Ein markantes Ereignis tritt öfters ungeplant auf. (z.B. wird jemandem in drei aufeinanderfolgenden Jahren hintereinander immer im Mai das Auto geklaut)

Einzelfall: Ein unwahrscheinlicher Fall tritt einmalig auf. (z.B. treffen sich 2 Freunde zufällig am anderen Ende der Welt; Lottogewinn) - (Gegner sagen: Wie oft trifft man sich nicht!! Das bemerkt man aber nicht!! Und: Der Lottogewinn ist nur persönlich gesehen ein wahnsinniger Zufall. Der passiert aber jede Woche irgendjemandem... Ist also allgemeingesehen normal.)

Kettenreaktion: eine Konstellation von mehreren Dingen zur rechten Zeit am rechten Ort werden von einem ersten Ereignis angeschubst wie Dominosteine. Prinzip des Slapstick, dann aber mit Spannungsbogen und Schlußakkord/Crash (Schmetterlingseffekt in der Chaosforschung: Des Schmetterlings Flügelschlag in Australien beeinflußt erst die Luftströmung und dann die Wetterentwicklung in der ganzen Welt. In China fällt ein Sack Reis um...)

2. Man weiss nicht, wie er sich auswirkt

(z.B. als Entscheidungshilfe)
1. Münze
Möglichkeiten: 2 x : Kopf oder Zahl,
Entscheidung für entweder/oder
2. Würfel
Möglichkeiten: 6 x : Augenanzahl 1-6
Entscheidung für Anzahl der Spielzüge etc.
Der Zufall liegt also darin, daß man bei Münze und Würfel nicht wissen kann, welche Seite oben liegen wird.

Zufall als Möglichkeit
Jeder lebt in einem Meer von unendlich vielen Möglichkeiten.

Durch unser persönliches Interesse an Bestimmtem wird aus diesem Meer Einzelnes ausgefiltert, welches unseren Aufmerksamskeitshorizont übersteigt.
Hätten wir unendlich viel Lebenszeit, könnten wir versuchen, allen Möglichkeiten, die sich uns zufällig bieten, nachzugehen, ham wa aba nich.
Wenn man jetzt mal das Zufällige nicht nur als empirische Wahrscheinlichkeitsrechnung betrachtet, könnte man meinen, dass die Zufallserscheinung ein Teil des gesamten Lebensflusses der Welt ist, der sich einem äussert, um einen gewissen Sinngehalt zu transportieren.
Das kann der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl sein, ein Tritt in den Hintern, ein Blick durchs kurz mal geöffnete Fenster ins gesamte Unviersum, eine kasperhafte Slapstickeinlage, oder einfach ein gänsehautiges Gefühl, im Fluss mit Allem zu sein.

Achtung, ab hier ist noch was Unausgegorenes!:::::
Seite 15!! Zur Wahrnehmung; Diagramm
persönliche Erfahrungen: Sicherheitsgefühl, Druck, der schmale Grat zwischen Hoffen und Passierenlassen.
wie würfel ich eine sechs? Sei Gustav, nicht Donald (Wörterbuch GLÜK) (<---- das Buch, wo das drinne ist, hol ich mir auf ebay!!)
Gibts den Zufall überhaupt oder ist alles nur eine Auswirkung von morphogenetischen Feldern?