Der Zufall in der Kunst

Es gibt in der Kunst unterschiedliche Arten des Zufalls.
Die selektive Wahrnehmung:
Dinge, Zusammenstellungen, Muster etc. werden vom Künstler wahrgenommen, wenn sie in seine Formen- und Bilderwelt passen.
z.B. suchte Giacometti eine überzeugende Komposition von bereits fertigen Einzelstatuetten. Nach 2 Monaten gab er enttäuscht auf und stellte die Figuren von seinem Arbeitstisch auf den Boden, um Platz zu schaffen. Als er die abgestellten Figuren betrachetet, erkannte er die ideale Komposition und fixierte die Figuren genau so wie sie der Zufall zusammenstellte.
Es kann aber auch sein, daß zufällig Gefundenes noch weiter bearbeitet, gedeutet, oder in einen anderen Kontext gestellt werden (ready mades)
Zufall und Phantasie sind Verwandte.
Leonardo da Vinci: Traktat von der Malerei, um1500
„Ich werde nicht ermangeln, unter diesen Vorschriften eine neu erfundenen Art des Schauens herzusetzen, die sich zwar klein und fast lächerlich ausnehmen mag, nichtsdestoweniger aber brauchbar ist, den Geist zu verschiedenerlei Erfindungen zu wecken. Sie besteht darin, daß du auf manche Mauern siehst, die mit allerlei Flecken bekleckst sind, oder auf Gestein von verschiedenerlei Gemisch. Hast du irgendeine Situation zu erfinden, so kannst du die Dinge erblicken, die diversen Landschaften gleichsehen, geschmückt mit Gebirgen, Flüssen, Felsen... Es tritt bei derlei Mauern und Gemisch das ähnliche ein wie beim Klang der Glocken; da wirst du in den Schlägen jeden Namen und jedes Wort wiederfinden können, die du dir einbildest.“
Der inszenierte Zufall
Farbauftrag durch Schütten, Spritzen, Fallenlassen etc.
Veränderung von Formen durch unkalkulierbar Abläufe.
Oder z.B. Auftragen von 2 Farben in ein Raster.
Welche Farbe in welches Raster gemalt wird, wird dem Zufall überlassen, durch Würfeln. Zuordnen zu geraden oder ungeraden Zahlen in einem Telefonbuch etc.
Die entstandenen Zufallsbilder/objekte können nun mittels der selektiven Wahrnehmung weiter ausgedeutet werden (Kleckse werden zu Landschaftsbildern ausgemalt)
Konzept eines Systems
z. B. Erstellung eines Programms, welches mittels Zufallsgenerator eigene Bilder erschafft.
Oder unser Spiel, das uns bei der Ausführung zu einem Zufallsobjekt führt, das wiederum uns handeln läßt.
Cut-Ups (In Literatur und Film)
Zerstörung einer Ordnung. Durch zufällige/willkürliche Neuordnung entsteht ein neues Ganzes mit vielleicht neuem Sinn.
Da der Mensch immer und überall Formen und Verbindungen sucht, versucht er in diesem CHAOS einen Meta-Sinn zu entdecken. Vielleicht rettet sich die STIMMUNG vom ursprünglichen Text/Film hinüber ins Upgecuttete und kann nun unvoreingenommener (?) wahrgenommen werden. (Parallelen bei: Bachblüten, ausgeschaltete Zensurfilter bei Meditation oder bestimmten Drogen)
Experiment: die letzte Szene unseres Filmes zerschnippeln und zufällig neu zusammensetzen!