Der Zufall in der Philosophie

Die Philosophen standen vor folgendem Dilemma (nach Herbert Hörz):

„Wer den Zufall leugnete (z.B. Heraklit: mechanistisches Weltbild) mußte zum Fatalismus kommen ("es ist eh alles vorbestimmt"....)

Wer den Fatalismus nicht anerkennen wollte, konnte den Menschen als frei handelndes Wesen bezeichnen, aber die Freiheit nicht widerspruchsfrei mit der Naturauffassung (es gibt nun mal bestimmte Gesetzmäßigkeiten in der Natur, z.B. den Verdauungsvorgang) verbinden.”

Die Wahrheit liegt nach unserer und Odos Meinung (Odo Marquard „Apologie des Zufälligen“) irgendwo in der Mitte.
Wir bestehen einerseits aus den uns prägenden Zufälligkeiten, Schicksalszufällen (wie z.B. geboren zu sein), die wir nicht mehr ändern können.
Andererseits haben wir die Möglichkeit, jederzeit aus einer unendlichen Menge von Beliebigkeiten dies oder jenes zu wählen. Wir könnten, aber meistens tun wir’s nicht, weil wir uns von unserem geprägten roten Faden leiten lassen.

Odo meint: „Die Schicksalszufälle werden von der Religion, die Beliebigkeitszufälle von der Kunst behandelt.“


„Auf der einen Seite stehen die Unmittelbarkeit und die Würze useres Lebens, stehen Poesie, Musik, Kunst und Mystik, auf der anderen Seite begegnen wir den objektiven Entdeckungen und Erklärungen der Wissenschaft.

Auf der einen Seite finden wir Überraschungen, Schönheit und Erstaunen, auf der anderen ist da die Möglichkeit, daß unser Bewußtsein nur eine Begleiterscheinung spezifischer, komplexer elektrochemischer Reaktionen ist, daß das Leben ein Ergebnis zufälliger Molekularprozesse und das Universum ein Zufall ist. (aus: Odo Marquart, "Die Apologie des Zufälligen")

Zwischen den objektiven und den subjektiven Wegen hin zu der Frage, was die Welt und was unsere Rolle in ihr sei, liegt eine Kluft, die, so scheint es, nicht zu überbrücken ist. Auf den ersten Blick scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Theorien der Wissenschaft mit dem Geschmack subjektiver Erfahrungen zu würzen oder dichterische Einsichten in die Exaktheit wissenschaftlicher Objektivität zu übertragen. Diese beiden Welten, so hat es den Anschein, liegen einfach zu weit voneinander entfernt.”
(aus „Synchronizität - Die verborgene Ordnung”, F. David Peat)