Das Kostüm

Meine Schwiegermutter Gertrud, die ich sehr mochte, war gestorben. Während wir den Haushalt auflösten, hatten wir immerzu das Gefühl, sie wäre noch anwesend und würde genau beobachten, ob wir auch alles ordentlich und vernünftig regeln würden.
Da wir nicht viel Zeit hatten, fragten wir die Nachbarn, ob sie noch etwas aus dem Hausstand gebrauchen könnten. Eine gute Bekannte von Gertrud kam nachmittags vorbei und fragte zögernd an, ob sie denn das Kostüm haben dürfte. Gertrud hatte es iihr versprochen, weil es ihr selbst nicht mehr passte und ihrer Bekannten außerdem viel besser stand.

Jetzt gab es nur ein Problem: wir hatten gerade vormittags die gesamte Kleidung, und das war nicht wenig, in Müllsäcke verpacktt und wir hatten keinen annähernden Schimmer, in welchem von den bestimmt über 50 Säcken denn nun das Kostüm wäre.

Die Bekannte wollte schon abwinken, aber ich sagte ihr, daß ich es wenigstens versuchen wolle.
Ich stellte mich also vor den Säckeberg und dachte: Also Gertrud, wenn du noch hier irgendwo bist und wenn du das mit dem Kostüm noch regeln willst, dann führe meine Hand!

Spontan griff ich irgendeinen Sack, öffnete ihn und zog ein Kleidungsstück heraus, das noch in einer Folienhülle von der Reinigung steckte. Es war das gesuchte Kostüm! Gertrud hatte es wohl noch reinigen lassen, um es ihrer Bekannten sauber zu übergeben.

Ist das noch Zufall?

Gesine Jochems